Nach Ausbruch der Corona-Pandemie ging es mir wie allen: Ich war überwältigt von den unglaublichen Bildern aus dem Ausland: verstörte BürgerInnen, überfüllte Spitäler, Lastwagenkolonnen, die Särge abtransportieren. Aber irgendwie geschah das alles weit weg. Doch dann wird Corona plötzlich auch ein Thema bei uns. 
Es waren Nebensächlichkeiten, die mir bewusst gemacht haben, dass wir nicht mehr Zuschauer sondern Betroffene sind. So realisierte ich plötzlich, dass es keine Flugzeuge mehr am Himmel gibt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kann man bei uns wieder einen ganzen Tag lang einen blauen Himmel sehen ohne irgendwelche Kondensstreifen am Himmel. Das gab's nicht mal beim Grounding der Swissair. Ich habe dann den Himmel über Bern 13 Stunden lang im Zeitraffer fotografiert und auf 30 Sekunden gerafft («Nichts»). Vermutlich wird das unsere Generation nie mehr beobachten können. Ein Zeitdokument!​​​​​​​
Am Tag darauf ist auf dem Platz in unserer Überbauung unvermittelt die Band «Bearbeat» vorgefahren und hat ein kurzes Konzert gegeben – selbstverständlich unter Einhaltung des 2‑Meter-Abstandes! Das Konzert war eine Aufmunterung für alle, die Zuhause bleiben müssen und natürlich auch eine Einnahmequelle für die Musiker, die wegen der Pandemie aktuell ja keine Konzerte geben dürfen. Eine Idee, die uns alle aufgestellt hat.
Ich habe mir dann die Frage gestellt, was für visuelle Spuren Corona sonst noch bei uns hinterlässt. Geschlossene Geschäfte, natürlich. In den Strassen von Münsingen, Bern, Thun und Interlaken habe ich gemerkt, dass dies eine wahre fotografische Fundgrube ist. Da gibt es von trockenen Hinweisen wie «Zu» oder «Bis bald» bis zu Weltverschwörungstheorien alles.
Darunter auch jede Menge Komisches...
...Geschäftstüchtiges...
...Aufgestelltes...
...Dankbares...
...Fatalistisches....​​​​​​​
... oder Poetisches.
Was ich auch festgestellt habe: Corona hat nicht nur Mängel im Gesundheitssystem aufgedeckt, sondern auch in der Rechtschreibung:
Mir sind bei meinen Spaziergängen natürlich auch andere Spuren aufgefallen. Zum Beispiel wie die Leute fast schon routinemässig Abstand zueinander halten.
Masken, etwas, das wir bisher nur von asiatischen Touristen kannten, sind plötzlich allgegenwärtig.
Und dann sind da noch die unübersehbaren Spuren in Form von neuen Regeln...
...und natürlich die unzähligen Pfeilen und Abstandslinien (die mehr oder weniger befolgt werden).
Ich weiss, die wahre Tragik von Corona liegt im unermesslichen Leid der Kranken, Hinterbliebenen oder Arbeitslosen. Es wurde und wird millionenfach dokumentiert. Mich haben die alltäglichen Spuren interessiert. Ich bin mir sicher: Wenn wir diese Bilder in ein paar Jahren anschauen, wird das eine oder andere Foto Erinnerungen an diese unglaubliche Zeit wecken. Deshalb sind sie Zeitdokumente.
Bilder zum Thema Corona gibt es auch in Zeitschriftenform:
Unten stehend zwei Auszüge:
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